„Junge, such dir was sicheres, was Geld bringt!“ Die jahrelange Phrasen-Penetration durch die Verwandschaft führte zunächst zur Abstumpfung, doch in der Endphase des geistigen Wiederkäuertums lediglich zu blankem Hass. Diesen Satz hasste ich jedoch schon bevor ich ihn durchdachte, denn Sicherheit stand für mich nie in der Kombination mit Geld. Bei meinen wohlhabenderen Freunden konnte ich die gleichen widerlichen Familienfehden beobachten, mit der Ausnahme, dass man sich während der Trennung um mehr Gegenstände stritt. Sicherheit dagegen war ein utopisches Gut, unkäuflich.

Allgemein, sobald sich Spaß und Penetration auseinander bewegten, war auch ich sehr schnell weg. Von der Kindheit an bis jetzt hat sich daran nichts geändert. Nicht weil ich überdurchschnittlich faul war, sondern weil ich die unumkehrbare Endlichkeit des Lebens sehr früh verinnerlichte. Der Pfad monotoner Profitzwänge schnürte mir deshalb nur begrenzt die Atemwege ab und ich begriff, dass es nicht um MEHR geht, sondern das wenige mehr zu schätzen.

Jetzt kümmern sich viele meiner Freunde um die Karriere im Studium oder im Beruf. Ich kümmer mich um meine Freundschaften und halte sie am Leben, weil der Rest meint keine Zeit dafür zu haben. Dies ist jedoch eine stetige Lebenslüge, da sie in Wirklichkeit nur viel mehr Zeit gegen etwas mehr Geld tauschen. So pendel ich zwischen Städten, zwischen alten Freunden und neuen Bekannten, zwischen Lebensentwürfen und zwischen bequemen und Wirbelsäulen zersetzenden Couches. Dabei sind es vor allem die Vor- und Nachteile der verschiedenen Lebensentwürfe, die es meinem Leben momentan unmöglich machen, einen roten Pfaden zu stricken. Denn insbesondere die auf-alle-westlich-„zivilisierten“-Konventionen-scheissenden Konzepte, scheinen am spannendsten und die Menschen am meisten zu füllen. Doch dazu fehlt häufig Mut und Konsequenz. Während gleichzeitig das Gefühl wächst, dies mal zu bereuen.

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